Presse

‚Sie haben unser Paradies einfach abgerissen und stattdessen ein pinkes Hotel, eine Boutique und einen Parkplatz hingebaut’ – singt Joni Mitchell singt Lisa Wahlandt.
‚Ist es nicht seltsam, dass wir erst immer dann merken, was wir hatten, wenn’s nicht mehr da ist ?’ – fragt Joni Mitchell fragt Lisa Wahlandt. Dann:

„Nothings gonna change my world – Om Jai guru deva. ” – Wie bitte?

‚Oh ich wünschte mir einen Fluß, den ich dann mitdem gelben Unterseeboot hinunterfahren könnte steigt ihr ein und fahrt mit?’ – fragt Joni Mitchell, fragt Ringo Starr fragt Lisa Wahlandt und – Kurt Härtl,Helmut Sinz, Thorsten Soos und Stephan Staudt folgen brav und so beginnt die Rutschpartie:

Lässige Grooves mit Popjazz-Approach (Jawoll: Jazz und Pop sind Both Sides now!), die Mandolinen und Akkordeons sind vielleicht aus norwegischem Holz ( isn’t it good ?) und Eleanor Rigby liest den letzten Reis dieser Hochzeit auf, wo die Braut noch rief: „Helpme ,help me”, bevor die Bagage im gelben Taxi dorthin brauste, woher sie gekommen war: Aus München nämlich. Mit einem Taxi, so gelb und frisch und herzig, wie auf dem Cover ihrer neuen CD, die sie mit im Gepäck haben.
Check it out.

(Roland H.H. Biswurm, BR)

Es gibt dieses Gerücht, dass Gourmetköche am liebsten Currywurst oder Burger essen. Weil es sie erdet, ihnen zeigt, was auf der Zunge wirklich zählt, und sie zurückführt zu ihrem Motiv, weshalb sie das tun, was sie eben tun: den Gaumen verwöhnen und den Hunger stillen. Für Musiker gilt im Grunde genau das Gleiche: die Burger in Form der Rolling Stones und die Currywurst in Form der Beatles. Fünf passionierte Jazzer aus München und Umgebung haben sich jetzt der Currywurst angenommen – auf ihre ganz eigene Art und unter dem Namen Big Yellow Taxi.

Zugegeben, ein bisschen bin ich seit einigen Jahren verliebt in Lisa Wahlandt. Was die Sängerin mit der zarten, gehauchten Stimme musikalisch anfasst, wird für mich zu einem Stück Geborgenheit in vielen meiner Playlists. Die Gelassenheit, mit der sie der Musik entgegentritt, nimmt dem Zuhörer jegliche Angst, womit sie Meisterwerke der Musikgeschichte immer wieder aufs Neue auf Augenhöhe mit ihrem Publikum bringt, ohne dabei jedoch das Niveau der Stücke herunterzuschrauben. Die Musik wird greif–, spür– und erlebbar – ganz egal, ob sie mit ihrem Projekt „Marlene” Songs von Marlene Dietrich in Drum ’n’ Bass verpackt, Green Day und TLC unplugged miteinander tanzen lässt oder angestaubte Weihnachtslieder frisch vor sich hin swingen lässt.

Gemeinsam mit dem Münchner Bassgestein Thorsten Soos, Schlagzeuger Stephan Staudt, Keyboarder Helmut Sinz und Saitengott Kurt Härtl an der Gitarre hat sich Lisa Wahlandt jetzt die Beatles und die – trotz unzähliger Coverversionen in der breiten Bevölkerung immer noch viel zu unbekannte – Sängerin Joni Mitchell vorgenommen. Deren einstiger Hit „Big Yellow Taxi” dient daher auch als Band– und Albennamen sowie als Inspiration für die einzige Eigenkomposition des Albums, einer wunderschönen R ’n’ B-⁄Acid–Jazz–Nummer, die der allzu beatverwöhnte Durchschnittshörer aber wahrscheinlich als Fahrstuhlmusik abtun könnte.

Die Beatles dagegen fasst die Band zwar mit mindestens ebenso viel Respekt, dafür jedoch ohne Scham an: „Eleanor Rigby” (vom vielleicht besten Beatles–Album Revolver) wird zum Tango, der „Norwegian Wood” ist endlich so verträumt, wie man ihn sich immer vorgestellt hat, „Get Back” rutscht tief in den Südstaaten-Country und „Come Together” groovt zum ersten Mal seit sicherlich drei Jahrzehnten wieder zeitgemäß, ohne dabei anbiedernd zu wirken. Und ja, sogar das unsägliche „Yellow Submarine” verliert in einer beinahe überstrapaziert gelassenen Jazzversion seinen Wiesnhit–Charme – bis plötzlich ein Volksmusik–Intermezzo unmissverständlich darauf hinweist, dass auch die größten Komponisten der Welt nicht vor dem Missbrauch ihrer Werke sicher sein können.

Eine winzig kleine Portion musikalischer Offenheit braucht man sicherlich für dieses Album – die Anmut eines Musiker-Projekts bekommt die Band (glücklicherweise) nicht los. Die Gefahr, dass man sich genauso in Lisa Wahlandts Stimme verliebt, wie ich das bereits vor langer Zeit getan habe, ist jedoch durchaus gegeben.Aber das ist auch gut so.

Big Yellow Taxi – Big Yellow Taxi ⁄⁄ Vö: 14. Februar 2012 ⁄⁄ Label: Nasswetter Music Group

Quelle:Curt Text von: Sebastian Klug